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Ausblick auf das Paradies

Monolog

Elling-Monolog nach dem gleichnamigen Roman von Ingvar Ambjørnsen
Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs
Bearbeitet von Christine Bette Bopp, Stephanie Kunz
und Helmut Zhuber

Uraufführung: 14.11.2004, Theaterprojekt Wohnung in den Grindelhochhäusern, Hamburg

Ein Schauspieler

Zum Stück

"Sie kommen, mich abzuholen." Mit diesem Ausruf beginnt und endet das Stück um den merkwürdigen Helden, der seit dem Erscheinen des ersten "Elling"-Romans die Herzen seiner Leser und Zuschauer erobert hat. In der Bearbeitung von Christine Bopp, Stephanie Kunz und Helmut Zhuber kehrt Elling nun dorthin zurück, wo er 1995 im Roman Ausblick auf das Paradies seinen Weg antrat - in eine kleine Wohnung, die er nach dem Tod der Mutter allein bewohnt, ausgestattet mit einem Teleskop und viel Neugier.
In solcher Intimität mag sich dem Zuschauer eine Welt offenbaren, die ihm bislang verschlossen bleiben musste. Zwischen sensiblen und frivolen Stimmungen schwankt dieser Elling und fabuliert über seine Mitmenschen, die er gleichwohl nur dank seines Teleskops kennt. Dieses Instrument aber erlaubt ihm einen Blick hinter die Fassaden. Und dies macht ihn so besonders. Ellings Interesse gilt dem privatesten Umfeld seiner Mitbürger. Wo er sich ihnen an die Fersen heftet, wird sein detektivischer Instinkt geweckt, der beispielsweise die geliebte Nachbarin als Diebin entlarvt. Die durch die Fenster zu erspähenden Geheimnisse lotet Elling unter Behelf seiner Phantasien aus, die nicht selten obszöner Natur sind.
Die phantastische Vitalität dieses Ellings macht den Zauber des Monologs aus. Angefacht durch dessen Vorstellungskraft, inszeniert der Text das Panorama einer verschrobenen Moralität und eigensinnigen Gerechtigkeit. Im Zwischenraum von übertriebener Zuwendung und gleichzeitiger Furcht vor den Mitmenschen entsteht dem plaudernden Elling der ihm notwendige Lebensraum. Die Frage nach einer sozialen Vereinbarkeit stellt sich hier nur indirekt, Elling kann dafür nicht belangt werden. Geradezu unumgänglich gelingt ihm wie auch dem Zuschauer der Ausblick auf das Paradies.

Rollen und Instrumentierung

1 Darsteller

0 Damen | 1 Herren | 0 Nebenrollen |

Ein Schauspieler

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Dekorationen

Autoren, Komponisten und Übersetzer

Vorlage: Ingvar Ambjørnsen

Bearbeitung: Christine Bette Bopp

Bearbeitung: Helmut Zhuber

Bearbeitung: Stephanie Kunz

Übersetzung: Gabriele Haefs

Pressestimmen

WESTFALENBLATT BIELEFELD | 13.10.2009 | WB

Aus dem Innenleben eines Sonderlings /

Berührend inszeniert von der Detmolder Regisseurin Christel Brüning, spielt Dirk Wittke den Elling. Mit Bravour schlüpft der Schauspieler in die Rolle, hadert, freut, ängstigt sich. Ein 80-minütigwer Monolog, bei dem an keiner Stelle auch nur die Spur von Langeweile aufkommt. Ganz große Kunst auf der kleinen Bühne des GAB-Kulturpunktes in der Paulusstraße. (...) Überragend, wie Dirk Wittke sich auf der Bühne ständig neu entwirft, vor sich und neben sich tritt und dem Publikum überraschende, oft auch durchaus komische Blicke auf Elling auf seinem schmalen Grat zwischen Normalität und Wahnsinn erlaubt.

NEUE WESTFÄLISCHE | 07.10.2009 | Kathrin Sielker

Psychogramm eines Sonderlings

Dirk Wittke schafft es, dass man mit Elling, trotz seines Angst einflößenden Sozialverhaltens trotzdem sympathisiert und das zutiefst Menschliche an diesem Charakter erkennt. Monoton bleibt der Monolog keineswegs. (...) ‚Ausblick auf das Paradies’ wurde schauspielerisch und szenisch in ein faszinierend intimes Psychogramm umgewandelt, das den Premierengästen im Forum an der Paulusstraße offensichtlich unter die Haut ging.

BERLINER ZEITUNG | 04.04.2006 | Katja Oskamp

Der Sog der inneren Logik

"Ausblick auf das Paradies" - Theater im Plattenbau

(...) Helmut Zhuber ist ein guter Schauspieler, der stets genau weiß, was er tut, und einen reichen Fundus an schauspielerischen Mitteln schlau verwaltet. (...) Getrieben vom Wissensdurst wirft er sein Gedankennetz über uns aus, die wir dem naiven Forscher gebannt folgen und geneigt sind, zusammen mit ihm durch die vielen niedlichen Türchen in die pralle Welt des Wahnsinns hinüberzuspazieren.

BERLINER MORGENPOST | 04.04.2006 | Katrin Pauly

Aus Ellings Welt gibt es kein Entkommen

Helmut Zhuber packt die Zuschauer von der ersten Sekunde an, hält die Spannung 90 Minuten lang auf höchstem Niveau und zieht uns mit in Ellings Welt. Kein Entkommen, nirgends. Er ist schräg, nicht verrückt, er ist unangenehm, aber nicht abstoßend, komisch, aber nicht lächerlich, höchstens irgendwie peinlich.

LANDESZEITUNG FÜR DIE LÜNEBURGER HEIDE | 26.09.2005 | Hans-Martin Koch

Es ist also ein mit Psychologie getränktes Charakterbild, das Thomas Ney in fesselnder Dichte und Präzision darstellt. Gestik, Mimik, Körpersprache, immer ist ein Mensch zu sehen, der sein Entgleisen spürt und doch nicht stoppen kann. Das macht in dem Stoff die tiefe Tragik aus, die durch die komischen Momente nur noch schärfere Konturen erhält. 90 Minuten lang hält Ney die Spannung, die er mit Regisseur Rüdiger Walter Kunze geschickt aufbaut und für die es kaum Effekte braucht. Kunze hat auch die Bühne entworfen und das Drumherum. Etwas Musik als Klammer und zum Ende eine Stimme aus dem Off, viel mehr ist nicht nötig. Der „Ausblick auf das Paradies“, das ist die Freiheit, die Elling zu Haus nicht leben kann. Das ist das Hochhaus, in dem andere Menschen ihren Kampf fechten. Das ist ein Stück, das viel sagt über den schmalen Grat, auf dem sich Normalsein abspielt, und über die vielen Abgründe, die in uns lauern

DIE TAGESZEITUNG | 17.11.2004 | Jennifer Neufend

Elling ist ein Voyeur, und der Zuschauer wird es auch. Er nimmt teil an den absurden Ideen des verschrobenen Elling, der zum Beispiel erzählt, dass er bei der Post die Frau von gegenüber gesehen und versucht habe, ihr mit der Zungenspitze ein graues Haar von dem Mantel zu schlecken. Elling ist das Vergrößerungsglas, durch das der Zuschauer in die vermeintlichen Leben anderer blickt.

Zugleich wird das Publikum zum Beobachter des gesellschaftlichen Außenseiters Elling selbst, der nach dem Tod seiner Mutter keinen Ansprechpartner mehr hat. Aus Not flüchtet er sich in das Leben anderer Menschen. Nicht aufzulösen ist dabei, was wirklich passiert ist und was Ellings Phantasie entspringt.

Elling wird im Laufe des Abends immer mehr zum Moralisten: Er verabscheut den Mann, der angeblich seine Frau schlägt, er hasst die vermeintliche Kaufhaus-Diebin. Dass er dabei durch Telefonterror und heimliches Beobachten selbst die Privatsphäre anderer Menschen verletzt, ist ihm nicht bewusst.

Die Inszenierung schafft es, das Publikum zum Lachen zu bringen. Trotzdem wird die Tragödie, die Ellings Leben ebenso ausmacht, nicht ausgeblendet. Immer wieder wird Ellings innere Not sichtbar, die schließlich zu seiner Einweisung in die Psychiatrie führt.

DIE WELT | 16.11.2004 | hell

Wir kennen Elling aus Kino und Theater, aber dieser Elling wagt derlei Blicke aus seinem Leben in andere Leben und Einblicke in seine zarte Kinderseele, daß die 90 Minuten in der Wohnung dieses fremden Mannes tief berühren. Er beobachtet mit einem Teleskop Nachbarn, nicht aus sexuellem Trieb, nein, das würde Elling niemals tun. Elling träumt sich in die Leben der Nachbarn und erträumt sich ihre Geschichten. Ein faszinierender Monolog.

HAMBURGER MORGENPOST | 16.11.2004 | Susann Oberacker

(...) lässt uns mit kindlichem Vergnügen teilhaben an seinen Beobachtungen. Zwanghaft lockt es diesen Elling in das Leben der anderen hinein. Was er nicht sieht, füllt er mit seiner Fantasie. (...) unprätentiös und in jedem Moment glaubwürdig.

DIE TAGESTHEMEN | 16.11.2004

Eine packende Theaterinszenierung. Enger Raum, eigenwillige Gedankenflüge und ein Darsteller, der dem Publikumsliebling Elling bei aller Komik Unheimlichkeit verleiht. Ein kleines Theaterereignis.

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DPA | 15.11.2004 | Antje Harders

Beklemmend echt spielte Zhuber den verängstigten Frührentner. Vor vier großen Fenstern mit Blick auf das gegenüberliegende Hochhaus verlor sich Zhuber scheinbar in den wildesten Fantasien und übertraf die Verfilmungen der Romane mit seiner Darstellung an Intensität.

NDR - KULTUR | 15.11.2004 | Dagmar Penzlin

Zhubers Elling plaudert, wütet, greint - 90 Minuten lang traurig-komische Einblicke in eine verstörte Seele.
Originalton Ambjørnsen: Was heute Abend passiert ist, das war nach meiner Meinung sehr gut. Das war ein richtiges Elling-Bild.

Aufführungen

02.10.2009 | Forum für Kreativität und Kommunikation, Bielefeld (Premiere)

03.10.2009 - 31.10.2009 | Forum für Kreativität und Kommunikation, Bielefeld (Weitere Aufführung(en))

Genre und Katalog

Genre: Monolog

Katalog: Schauspiel und Komödie

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