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Heul doch!

Monolog

Monolog von Melanie Arns nach dem gleichnamigen Roman der Autorin

Uraufführung: 06.01.2007, Theater Bielefeldt, TAM ZWEI

Nominiert zum 23. Kinder-und Jugendtheatertreffen 2007 NRW

Eine Schauspielerin (variabel)

Zum Stück

Sie ist die Tochter. Die Tochter wird mißbraucht. Die Tochter hat Aids. Die Tochter liebt den Lehrer. Die Tochter hat Bulimie. Die Tochter lebt das falsche Leben. In einem Schrotthaufen von einer Familie. Die Tochter sollte jemand anderes sein. Na wenn schon! – Heul doch!

Fernab vom Sentiment der Problemliteratur, aber auch vom Zynismus ihrer Parodie erzählt Melanie Arns die Geschichte einer jungen Frau, in der das Glück keinen Platz hat. Der Lehrer liebt die Schülerin nicht. Der Vater kommt ihr zu nah. Der liebe Gott kann nichts als sich entschuldigen. Was tun, wenn nicht lügen? Mit beißendem Humor arbeitet sie, die Tochter, das Mädchen, die Frau, sich durch die Hölle ihres Alltags. Wo das Glück nicht sein kann, muss die Ironie hinhalten. Oder ein neues Leben. Jeder Tag bringt eine andere Krankheit, jede Nacht eine andere Liebe. Diese Geschichte wird erzählt, die von vorhin verworfen. Gebrochen ist jeder Blick. Ein Auge lacht, das andere weint. Dieses ist echt, dieses aus Glas. Ein Unfall. Und was sonst war. Nichts ist gelogen und nichts ist wahr. Das Ausprobieren der Varianten, das Pokern mit den Geschichten ist Überlebenstaktik. Hinter der Fratze der erbarmungslosen wie treffsicheren Komik hat die Zerbrechlichkeit ihren Platz, tritt die Unerträglichkeit plastisch zu Tage. Und frißt sich der Hunger nach Leben ins Freie.

2002 las Melanie Arns beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen Text, der den Grundstein für einen Roman legen sollte. Zwei Jahre später debütierte sie mit dem vielbeachteten Titel Heul doch!. Die "mitreißende Geschichte" wurde von der Kritik als "ein tiefernstes und ernstzunehmendes Debüt" gelobt, "die einzig angemessene Sprache für eine elende Zeit" anerkannt. Für die vorliegende Theaterfassung wurde der Text überarbeitet und verknappt. Entstanden ist eine packende, monologische Collage, die weit über die Jugendgeschichte hinaus die Facetten einer außergewöhnlich eindringlichen Biographie spiegelt.

Rollen und Instrumentierung

1 Darsteller

1 Damen | 0 Herren | 0 Nebenrollen |

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Autoren, Komponisten und Übersetzer

Buch: Melanie Arns

Pressestimmen

MOSAIK - Das Kulturmagazin, WDR3 | 08.01.2007 | Martin Burkert

Melanie Arns findet in ihrem Erstlingswerk "Heul doch" eine wohldosierte und raffinierte Balance zwischen Humor und Tragik, Wut und Selbstmitleid, Jugendsprache und Karikatur. Der Text ist eigentlich der innere Gedankenstrom einer Person, der in Bielefeld auf drei Schauspielerinnen verteilt ist. Und die spielen ihn hoch präsent. Mit großem Einsatz feuern sie maschinengewehrartig die Salven von banalen Sprüchen, scharfen Worten, ruppigen Sätzen ab (...) Regisseur Michael Heicks hat den Romantext zu einer klaren, schnellen, witzreichen Spielvorlage gekürzt. Küchenrealismus ist vermieden. Gespielt wird in einem Theaterraum, dessen Rückwand mit Unmengen von Klamotten bedeckt ist. Die Schauspielerinnen suhlen sich in diesen Kostümen und legen großes Tempo an den Tag. Fast immer mit Blick ins Publikum wechseln sie zwischen komischen und leidvollen Momenten. Mit knappen Gesten zitieren sie Nebenfiguren, etwa Mutter, Vater oder den türkischen Freund. Jargon imitieren können sie auch (...) Die Theateradaption hält bis zum Schluss die Balance zwischen Aggression und Selbstmitleid, Ironie und Apathie. Dabei tritt keine Schwere auf, aber auch kein schenkelklopfendes Lachen. Das bleibt eher im Hals stecken. "Heul doch" in Bielefeld ist jung und frech, trotzdem nachdenklich und anrührend. Was will man mehr?

NEUE WESTFÄLISCHE | 08.01.2007 | Mareike Patock

Schrei nach Aufmerksamkeit

Uraufführung von Melanie Arns’ Romandebüt "Heul doch"

Im Mittelpunkt der gelungenen Inszenierung steht eine junge Frau, die wie ein zusammengesetztes Geschöpf erscheint. Mal ist es ihre innere Stimme, die zum Publikum spricht, mal ist es ein Monolog, den sie führt. Ein anderes Mal betrachtet sie ihr Leben wie eine Fremde gewissermaßen von außen. Heicks versteht es, die drei Seelen, die in der Brust seiner Protagonistin schlummern, eindrücklich in Szene zu setzen. Drei Stimmen, drei Schauspielerinnen: Claudia Mau, Ulrike Müller und Ines Buchmann hauchen der Gepeinigten Leben ein. Und tun das auf so eindringliche und überzeugende Weise, dass man selbst heulen, schreien und um sich schlagen möchte. Aber man tut es nicht, denn Arns’ Stück ist keine reine Tragödie. Es ist ein überspitzter Blick auf die Wirklichkeit, eine Persiflage der Realität. Beschrieben wird dies im ständigen Wechsel von Komik und Tragik, im Nebeneinander von Belanglosem und Abgründigem. Wobei man nie so recht weiß, ob das nun vorsätzlich oder unbeabsichtigt geschieht. (...)Arns’ Stück ist jedoch nicht nur die groteske, traurige und bisweilen sogar poetische Beschreibung einer jungen Frau auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Es ist auch eine schonungslose Demaskierung der deutschen Kleinfamilie.

Aufführungen

06.01.2007 - 30.06.2007 | Theater Bielefeld (Premiere)

13.05.2007 | Theater Oberhausen (Weitere Aufführung(en))

14.05.2007 - 30.06.2007 | Theater Oberhausen (Weitere Aufführung(en))

Genre und Katalog

Genre: Monolog

Katalog: Schauspiel und Komödie

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