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Schule der Arbeitslosen

Schauspiel

Schauspiel vom Joachim Zelter

Ringuraufführung: 01.12.2007, Theater Osnabrück und Neue Bühne Senftenberg

Acht Schauspieler (drei Frauen, fünf Männer); Statisterie

Auch als Szenische Lesung vorhanden.

Zum Stück

Eine Bewerbung, die eine Anstellung garantiert. Eine Schule, in der man lernt, wie das funktioniert. Eine Utopie? Nicht bei Joachim Zelter. Einzige Bedingung: absolute Selbstaufgabe!

Sphericon ist der Name der Wunderfabrik aus dem Jahre 2016. Hier wird es einem beigebracht, das perfekte Leben, richtiger: der perfekte Lebenslauf. Ganze Heerscharen von Langzeitarbeitslosen werden hier mit neuer Hoffnung und neuer Identität ausgestattet, unter ihnen auch Karla und Roland. Doch etwas an diesen beiden ist anders. Unberührt von der bei Sphericon üblichen, promiskuitiven Konkurrenz beginnt ihre sanfte Romanze.

Da startet ein neues, großartiges Projekt der Bundesagentur. In der Schule wird zum ersten Mal eine richtige Stelle ausgeschrieben. Der Wettbewerb läuft. Freiwillig und ohne Kompromisse. Wie am Fließband werden jetzt neue Persönlichkeiten kreiert, bestehende wie selbstverständlich zerstört. Wer das nicht mitmacht, wird weggesperrt. So auch Karla. Mit ihrer hartnäckigen Unsicherheit tritt sie in Widerstand zum allgegenwärtigen Drill. Doch es gibt keine Flucht mehr vor dem Erfolg.

In beklemmenden Bildern und pointierten Dialogen malt Joachim Zelter das Bild einer Gesellschaft, in der Identität ein Spielzeug der Jobelite ist. Mit phantastischen Visionen und kategorischer Selektion adelt Sphericon seine Schüler. Das ist lächerlich, absurd und todernst. Zelters hochaktuelles Stück macht begreiflich, dass die Zukunft Sphericons nicht allzu weit entfernt von unserer Gegenwart liegt.

Rollen und Instrumentierung

8 Darsteller

3 Damen | 5 Herren | 0 Nebenrollen |

Eventuell Statisten

Titel mit ähnlicher Besetzung suchen

Dekorationen

Für Freilichtspiele geeignet

Autoren, Komponisten und Übersetzer

Buch: Joachim Zelter

Pressestimmen

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG | 05.12.2007 | Irene Bazinger

Weg mit dir

„Schule der Arbeitslosen“ im Theater Senftenberg

Zum Lachen reizt diese Parodie höchstens mit zusammengebissenen Zähnen, zu direkt ist
Zelters Material den tatsächlichen Verhältnissen entnommen (...) Das solide Ensemble (...) zelebriert mit offensichtlicher Freude an der Realsatire die bizarren Lektionen vom maßlosen positiven Denken über „Bewerbung“ im Mittelater: Minnesang“ bis zur irrsinnigen Fälschung der Lebensläufe. Und genießt eingestreute Motivationssprüche wie „Just do it““, „Kein Mitleid mit Selbstmitleid!“ oder „Deutschland bewegt sich!“. Sybille Böversen meldet sich als Regionalleiterin der Bundesagentur in einer kurzen Filmeinblendung mit grotesker, geradezu merkelnder Propaganda zu Wort („Die Talsohle ist überschritten“), indes Mirko Zschocke als Cheftrainer aus einer Luke hoch über dem Saal das Geschehen wie ein omnipotenter Big Brother beobachtet. Wenn am Schluss die Absolventengruppe zum Einsteigen in ihr Flugzeug gerufen wird, öffnet sich eine Seitenwand und Schneeflocken toben durch heftig scharfen Wind von rechts herein. Das ist in Senftenberg nicht nur symbolisch gemeint, doch das Theater immerhin stemmt sich auch gegen dererlei Unbill furchtlos und mit Erfolg.

LAUSITZER RUNDSCHAU | 04.12.2007 | Hartmut Krug

Erschreckend gelungen

Dass jetzt gleich zwei Theater sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit beschäftigen, hat sicherlich mit der besonderen Qualität von Joachim Zelters „Schule der Arbeitslosen“ zu tun. Es arbeitet mit analytischer Schärfe und grellem Humor heraus, dass Arbeitslosigkeit kein Charakterfehler ist, sondern ein Strukturproblem der Gesellschaft. Zugleich macht der Autor mit aller Erbarmungslosigkeit auf die Folgen aufmerksam, die durch eine große Arbeitslosigkeit der demokratischen Verfasstheit des Staates drohen können. (...) Insgesamt ist der Neuen Bühne Senftenberg eine beachtliche Inszenierung gelungen, mit dem ein politisches Zeitstück für das deutsche Theater gewonnen wurde.

TAZ | 03.12.2007 | Thorsten Stegemann

Bewerber mit optimiertem Lebenslauf

Joachim Zelters boshafte Satire "Die Schule der Arbeitslosen" wurde am Samstag in Osnabrück als Theaterstück uraufgeführt

Nina Gühlstorffs Inszenierung überzeugt vor allem durch die aussagekräftige Verknappung und satirische Zuspitzung des Themas. (...) Den Zuschauern bleibt so keine Zeit, sich mit Erfolg einzureden, sie seien noch nicht im "Sphericon"-Zeitalter angekommen.
, 03.12.2007

NEUE OSNABRÜCKER ZEITUNG | 03.12.2007 | Christine Adam

Die Kunst des Frisierens

Arbeitslose - elf Schauspieler und sechs "echte" arbeitslose Laiendarsteller - entern die Bühne des Osnabrücker Theaters am Domhof. Köstlich unterschiedlich sind die Typen, die Regisseurin Nina Gühlstorff und ihr Team gemeinsam entwickelt haben. Wie sich jeder von ihnen zu einem zackig-smarten Arbeitswilligen verbiegt, daraus beziehen viele Szenen ihren lebensnahen Witz.

DEUTSCHLANDRADIO | 02.12.2007 | Hartmut Krug

Eine erbarmungslose Groteske

Sewan Latchinian inszeniert "Die Schule der Arbeitslosen"

Wenn jetzt gleich zwei Theater, die Bühnen von Osnabrück und Senftenberg, gestern das Thema Arbeitslosigkeit mit der Bühnenversion von Joachim Zelters Erfolgsroman "Schule der Arbeitslosen" zur so genannten "Ring"-Uraufführung brachten, muss diese besondere Qualitäten besitzen (...) Sewan Latchinian entwickelt Zelters düstere gesellschaftliche Horrorvision aus einem spielerischen und partiell komödiantischen Realismus heraus, der den Identitätsverlust der Menschen umso schmerzhafter wirken lässt. (...) Wenn Inga Wolff als Karla, 33jährige Floristin, bebrillt, schmal und scheinbar unscheinbar, sich als erste schüchtern hineinzwängt in den Raum und von ihrer Hoffnung aufs Lager erzählt, sich und uns dabei staunend beschwört, äußerlich gehemmt, aber irgendwie doch innerlich bei sich scheint, dann ist mit dieser (schauspielerisch hinreißenden) Eingangsszene ein wunderschönes Hoffnungsbild an den Anfang gesetzt, - gegen die folgenden eiskalten Szenen, in denen Menschen zu Material gemacht werden. Wie Inga Wolff mit gestisch-mimischer Variabilität bis hin zu chaplinesker Komik einen Menschen spielt, der kein Widerständler ist, aber ein Individuum bleibt, der vergeblich versucht, wie gewünscht zu funktionieren, das lässt die Wärmeströmung ihrer Figur aus der ersten Szene durch die Eiseskälte des ganzen Stückes fließen. Wie ein Hoffnungszeichen wirkt in all ihrer traurigen Komik eine Szene, in der die sexuelle wie emotionale Annäherung an den Trainee Roland scheitert. Denn der entscheidet sich nicht für Karla, sondern für die Bewerbung auf die einzige angebotene Stelle. Eine Stelle, die, böse Pointe, eine Trainerstelle ist, also allein das Ausbildungssystem erhält. Die Ausbilder kommen in Senftenberg nicht als böse Monster, sondern als selbstsicher schicke Erfolgsmenschen daher. Alle funktionieren einfach, und die Grausamkeit kommt aus der Selbstverständlichkeit ihres Handelns. Wie dies ganz unplakativ, ganz beiläufig inszeniert ist, das ist schon beachtlich. (...) Insgesamt eine durchaus beachtliche Inszenierung.

DPA | 02.12.2007 | Thorsten Stegemann

«Die Schule der Arbeitslosen» - Bitterböser Blick in eine Zukunft

Gühlstorff setzt das zynische Spiel mit der angeschlagenen Psyche temporeich in Szene und entlarvt die hektische Betriebsamkeit als inhaltsleere Beschäftigungstherapie. Dabei gelingen ihr im kalten, mit Plastikcontainern ausstaffierten Raum (Bühne: Marouscha Levy) eine Vielzahl aberwitziger und hintersinniger Arrangements, die einen drögen, politisch überkorrekten Tonfall geschickt vermeiden. Die Regisseurin hält sich (...) nur bedingt an Zelters Romanvorlage (...). Umso mehr Gewicht liegt auf der Kreativität und dem Improvisationstalent der Schauspieler, die den Zuschauern eindrucksvoll nahe bringen, wie unmittelbar das Selbstwertgefühl eines Menschen vom Besitz eines Arbeitsplatzes abhängen kann.

NACHTKRITK.DE | 02.12.2007 | Hartmut Krug

Weggehängte Identitäten

(...) eine beachtliche Inszenierung eines Stückes, das geradezu nach vielen Nachinszenierungen schreit.

HAMBURGER MORGENPOST | 21.04.2007 | Heiko Kammerhoff

Jobsuche als Lebenszweck?

Thomas Ebermann hat diese so komische wie erschreckende Zukunftsvision auf die Bühne des Polittbüros gewuchtet. (...) Für zusätzlichen Spaß sorgen Jacques Palminger und Rocko Schamoni mit einem Filmeinspieler, in dem Schamoni als "Arbeitgeber mit Herz" einen Job im Pudel Club zu vergeben hat, sowie eine "Liveschalte" zum Regionalleiter der Bundesagentur (Gustav Peter Wöhler).

Hamburger Abendblatt | 21.04.2007 | bir

Schöne neue Arbeits(losen)welt

Den hochaktuellen Text brachte Publizist Thomas Ebermann nun mit der "Vers- und Kaderschmiede" und in Kooperation mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund auf die Bühne des Polittbüros. Dass die Premiere am Donnerstag restlos ausverkauft war, lag wohl auch an der Star-Riege, die Lisa Politt versammelt hatte - u. a. Gilla Cremer und Victoria Trauttmansdorff als Trainees sowie Gustav Peter Wöhler als zum Schütteln jovialer Arbeitsagentur-Regionalchef. (...) Wie sich "Fehler" bei der Arbeitssuche vermeiden lassen, zeigte - hübsch zynisch zugespitzt - die TV-Serie "Job Quest", in der Klub-Chef Rocko Schamoni potenzielle DJs traktierte. Die Inszenierung - ein Mix aus szenischer Lesung, Videos, Schau- und Hörspiel - kippte vor allem zum Schluss hin vom Komischen ins Bedrückende.

Aufführungen

19.04.2007 - 31.12.2007 | Polittbüro Kabarett GbR (Weitere Aufführung(en))

14.11.2007 | Polittbüro Kabarett GbR (Premiere)

01.12.2007 | Städtische Bühnen Osnabrück GmbH (Premiere)

01.12.2007 | Neue Bühne Senftenberg (Premiere)

02.12.2007 - 30.06.2008 | Städtische Bühnen Osnabrück GmbH (Weitere Aufführung(en))

02.12.2007 - 30.06.2008 | Neue Bühne Senftenberg (Weitere Aufführung(en))

01.02.2008 | Vereinigte Städtische Bühnen Krefeld und Mönchengladbach (Premiere)

02.02.2008 - 30.06.2008 | Vereinigte Städtische Bühnen Krefeld und Mönchengladbach (Weitere Aufführung(en))

02.05.2008 | Vereinigte Städtische Bühnen Krefeld und Mönchengladbach (Premiere)

03.05.2008 - 30.06.2008 | Vereinigte Städtische Bühnen Krefeld und Mönchengladbach (Weitere Aufführung(en))

01.02.2009 | Trott-war e.V. (Premiere)

05.06.2009 | Theater Lüneburg (Premiere)

06.06.2009 - 30.06.2009 | Theater Lüneburg (Weitere Aufführung(en))

15.08.2009 | Theatersommer Idar-Oberstein (Premiere)

Genre und Katalog

Genre: Schauspiel

Katalog: Schauspiel und Komödie

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