"Swinging Berlin - Tanzen verboten" hat mich begeistert
11.01.2005 | THATSMUSICAL.DE,
Auszüge aus dem THATSMUSICAL.DE-Interview
mit Helmut Baumann
Helmut Baumann, der 1999 Berlin nach langjähriger Intendanz am Theater des Westens verließ und maßgeblich die Musicalszene mit seinen Inszenierungen prägte, stellte sich unseren Fragen.
THATSMUSICAL.DE: Swinging Berlin - Tanzen verboten lief unter dem Titel Swinging St. Pauli bereits in Hamburg. Wie kam es dazu, dass Sie jetzt hier in Berlin die Inszenierung der überarbeiteten Version leiten?
HELMUT BAUMANN: Der Direktor des Hauses, Martin Woelffer, hat mich kontaktiert. Das Theater am Kurfürstendamm wollte das Stück nach Berlin holen und hat mich gebeten, die Inszenierung zu übernehmen. Für mich ist es wichtig, dass ein Stück Potential hat, die Geschichte muss einfach stimmen und die dramatische Entwicklung nachvollziehbar sein. Swinging Berlin - Tanzen verboten hat mich begeistert: Es herrscht Krieg, die Parolen der Wochenschau sind frenetisch, Deutschland gleichgeschaltet. Und sechs junge Menschen zwischen 18 und 21 Jahren sind anders, sie wollen sich nicht eingliedern und widersprechen mit ihrem Auftreten der Massenbewegung. Sie treffen sich regelmäßig in Leos Bar und lieben diese Musik, auch wenn sie verboten ist und harte Bestrafungen drohen. Diese Mischung von lebensbejahender Swingmusik und dem ernsten Thema, zudem auch deutschen Thema, haben mich sofort angesprochen.
THATSMUSICAL.DE: Welche Veränderungen wurden konkret vorgenommen?
HELMUT BAUMANN: Die spezifischen Songs, die den St. Pauli Kiez betrafen, sind jetzt aus dem Musical verschwunden. Neben neuen Songs wurden aber auch Sprechtexte angepasst. Wir werden voraussichtlich ein anderes Pausenfinale als in Hamburg haben und auch der Schluss wird ein anderer sein. Mit diesen Veränderungen ist das Musical auf zahlreiche Großstädte Deutschlands übertragbar und wir hoffen, dass wir diese Inszenierung noch in vielen anderen Städten spielen können.
THATSMUSICAL.DE: Mit den Inszenierungen von "La Cage aux Folles", "Cabaret", "My Fair Lady", "Victor/Victoria" und vielen mehr haben Sie große Erfolge feiern können. Das sind Musicals, die man allgemein auch als Klassiker bezeichnet. Wie stehen Sie neuen Stücken insbesondere von deutschen Autoren gegenüber?
HELMUT BAUMANN: Die Geschichte ist wichtig. Wenn ein Stück nichts zu erzählen hat, kann ich als Regisseur auch nichts daraus entwickeln. Mich interessieren Stoffe mit aktuellem Bezug zu Deutschland wie auch Europa allgemein. Und ich bekomme auch zahlreiche Scripte vorgelegt, nur zu wenige davon haben aber auch wirklich Substanz. Als Regisseur muss ich 100% hinter dem Ergebnis meiner Arbeit stehen. Dafür ist ein gutes Stück die Grundvoraussetzung. Und mit "Swinging Berlin" habe ich solch ein Stück gefunden.
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